Das Cask – Ensemble Abfüllungen

Der Berliner Whiskyhersteller Carl Seleborg hat sich mit Das Cask als “Whiskymaßschneider” etabliert. Anstatt fertigen Whisky zu produzieren, kreiert er für jede(n) seiner KundInnen ein ganz persönliches 30-Liter-Fass Single Malt Whisky. Er arbeitet mit hochwertigen, klaren schottischen Malt Spirits, die er kombiniert, um die gewünschte Torfigkeit zu erreichen. Als wir uns auf einer Veranstaltung kennenlernten, fragte ich ihn, ob er mir Proben zukommen lassen kann. Anstatt seiner Rohdestillate schickte er mir Proben aus den 6 Fässern seiner Ensemble-Reihe, in welcher er an Enthusiasten Anteile von Fässern zu jeweils 5 Flaschen zur Verfügung stellt.
Infos zu den Fässern findet Ihr auf: https://dascask.com/ensemble/

Cask 001
„Unpeated“
0% peated
Oloroso Cask
Befüllt 26.06.2018
62,8%

Nase: Die ca. 63% des noch jungen “Whisky” sind wie zu erwarten noch deutlich spürbar. Das Destillat weiss bereits ohne Verdünnung mit einer schönen hell-fruchtigen Frische zu überzeugen. Nach einiger Zeit im Glas kommen nussige Aromen, sowie ein paar Gewürze wie Koriander und Muskat hinzu. Die Fruchtigkeit bleibt jedoch stark im Vordergrund. 
Mit etwas Wasser gewinnt der zukünftige Whisky an Frucht und Ausgewogenheit. Trotz 0% peated hat man das Gefühl von einer Leichten Rauchigkeit – dezent im Hintergrund, ganz subtil.

Gaumen: Für ca 63% erstaunlich mild. Schöne Obst und Nuss-Aromen. Sehr mundfüllend und regt stark den Speichelfluss an. 
Mit etwas Wasser wird der Whisky deutlich süsser und runder.

Abgang: Im Abgang eher zurückhaltend, malzig, Getreide und eine schöne Nuss-Nougat-Note. Insgesamt ein eher kurzer Abgang.
Mit etwas Wasser ist auch der Abgang deutlich süsser mit etwas Schokolade.

Fazit:
Fass 001 hat definitiv Potenzial. Der Einfluss vom Oloroso-Fass ist ausgewogen und passt sehr gut. Die Zugabe von Wasser hat ihn meiner Meinung nach stark verbessert.

Fass 012
„A Hint of Peat“
2% peated
Bourbon Cask
Befüllt 23.08.2019
63,2%

Nase: Die ca. 63% sind deutlich weniger zu spüren als beim Fass 001, was wieder einmal meine These bestätigt, dass Sherryfässer den Alkohol junger Destillate meistens hervorhebt. Der Rauch ist dezent vorhanden und passt sich sehr schön ins Gesamtbild ein, auch wenn ich auf mehr als 2% getippt hätte. Zu Beginn überrascht der zukünftige Whisky mit Noten von Banane und Haferflocken, sowie Zuckerrüben.  
Mit etwas Wasser süsser und weniger Rauch.

Gaumen: Im Mund sind die 63,2% präsenter aber dennoch mild. Eine schöne karamelliserte Süsse.  Mit etwas Wasser deutlich süsser und mehr Frucht: Banane und etwas Mango.

Abgang: intensiver, langer Abgang mit süssen getreidigen Noten und Akazienhonig. Auch hier mit Wasser deutlich süsser.

Fazit: 
Das Fass 012 gefällt mir jetzt schon sehr gut, mit etwas Wasser verdünnt sehr rund und lecker. Hier werden die noch folgenden 2 Jahre sicherlich noch viel Potenzial entfachen. Auch hier meine eindeutige Empfehlung mit Wasserzusatz bei max. 50% Alkoholgehalt genießen, da mir der deutlich süssere Charakter sehr gefallen hat.

Cask 011
„Lightly Peated“
10% peated
Bourbon Cask
Befüllt 11.07.2019
63,3% 

Nase: deutlicher peated Charakter spürbar, die über 63% sind auch hier eher zurückhaltend. Insgesamt jedoch sehr verhalten. Ich hätte den Peat-Anteil deutlich höher geschätzt, finde ihn aber so perfekt.  Mit etwas Zeit öffnet sich der Malt und es treten leicht speckige Aromen aber auch fruchtige Noten hervor. Deutlich zu erkennen sind Trauben und Orangenschale.hinzu kommt kalte, leicht feuchte Asche vom Lagerfeuer. 
Mit etwas Wasser deutlich lebendiger, offener und frischer. Die Fruchtigkeit ist schwer zu zu ordnen, aber sie gefällt mir sehr.

Gaumen: Im Mund sehr schön intensiv, sehr stark Speichelfluss anregend. Man hat das Gefühl den Mund voll zu haben mit Destillat. Insgesamt sehr süss und aromatisch. Die Balance aus peat und Bourbonfass ist für mich perfekt gewählt. 
Mit etwas Wasser deutlich runder, gefälliger gefährlich süffig.

Abgang: Der Abgang ist schön intensiv und lang mit viel Süsse. Mit etwas Wasser wird der Abgang kürzer, verliert an Intensität, gewinnt aber unheimlich an Süsse. Fast schon wie ein Likör.

Fazit:
Fass 011 hat für mich die perfekte Balance aus peat und Bourbon-Fass. In meiner Welt ist das genau die Menge an Peat, die ich mir wünsche, wenn ich einen Peated Whisky trinken möchte. Toll. 
Mit Wasser super süffig – schade, dass es nur 1cl waren.

Cask 014
„Heavily Peated“
30% peated
Oloroso Cask
Befüllt 28.09.2019
63,3%

 Nase: Wow, das verdammt süsse Peat-Aroma schlägt im ersten Moment unerwartet ein. Sehr intensiv, der Alkohol hier deutlich mehr erkennbar als bei den Bourbon Casks. Insgesamt zeigen sich sehr komplexe Aromen aus Honig-Süsse, Nüssen, Gewürzen und etwas Eiche. Wahnsinnig komplex für ein so junges Destillat. Nach etwas Zeit wieder ganz präsent, die reife Banane und ganz viel Vanillepudding – der frisch gekochte von Oma. Gebt ihm Zeit, es kommen immer wieder Aromen hinzu, viel zu komplex um alles heraus zu filtern, dafür ist das Destillat noch zu jung und die unterschiedlichen Einflüsse zu intensiv.
Mit Wasser kommt er, der „berüchtigte“ Aschenbecher – 100% authentisch. Allerdings empfinde ich dies als spannend, als anregend in der Gesamtkomposition, auch als strikter Nicht-Raucher. Und was ist das? Mettwurst. Diese schönen, dicken, geräucherten Mettwürste vom Metzger – ich bekomme Hunger. 

Gaumen: sehr intensiv und süss. Der peated Charakter passt unerwartet perfekt zum Oloroso Fass. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden und absolut ausgewogen. Super süss und aromatisch. Es fällt verdammt schwer einzelne Aromen heraus zu filtern, es ist einfach eine Explosion an Aromen. Wirklich beeindruckend. 
Mit Wasser verliert er an Intensität, wird viel süsser, aber verliert auch das interessante, überwältigende. 

Abgang: äußerst intensiver Abgang durch die stark ausgeprägte peat Beigabe. Insgesamt eher mittellang, mit einem jedoch langem, sehr subtilen Ausklang von Aschenbecher. Toll.
Mit Wasser sehr kurz und eher unspektakulär.

Fazit:
Fass 014 haut mich um. Dermaßen komplex, vielschichtig und intensiv, das habe ich bei einem so jungen Malt bis jetzt noch nicht erlebt. Ich will jetzt eine geräucherte Mettwurst! Sofort. 

Cask 020
„Carpe Diem 1“
17% peated
Jamaican Rum
Befüllt 27.02.2020
62,5%

Nase: In der Nase zuerst sehr verhalten, ist aber auch noch sehr jung. Der Alkohol ist sehr ausgeprägt. Er braucht erst einmal Zeit im Glas. Diese bekommt er natürlich und entfaltet sich auch deutlich. Noten von Honigmelone, Papaya und verwunderlicherweise recht dezentem Rauch machen sich bemerkbar.
Mit etwas Wasser wird der Rauch mehr unterstützt, er bleibt dennoch sehr dezent und wirkt absolut ohne Ecken und Kanten.

Gaumen: Im Mund ganz anders, sehr intensiv und süss, super süss. Der Alkohol für 62,5% kaum spürbar. 
Mit etwas Wasser wesentlich weniger süss, dafür mehr Ester vom Rum. Den Rauch nehme ich so gut wie nicht wahr.

Abgang: sehr süsser Abgang, der allerdings schnell im „Nichts“ endet. 
Mit Wasser ein sehr kurzer Abgang. Insgesamt gefällig und nicht komplex.

Fazit:
Sehr interessant, dass die 17% peated offenbar in Verbindung mit dem Rum Fass deutlich „gedrosselt“ werden. Ich empfinde ihn weniger gepeated als Cask 011 mit 10%. Dieses Fass gefällt mir ohne Wasserzusatz deutlich besser. Nach nur 10 Monaten im Fass ist es schwer ein Fazit zu fällen, aber ich gehe von einem sehr harmonischen Whisky aus, der vielen gefallen wird.

Cask 002
„Smoke Alarm“
100% peated
Bourbon Cask
Befüllt 26.06.2018
63,3%

Nase: wohooo, 100% peat lässt grüßen, aber: Wo ist der Alkohol? Verhältnismäßig dezent. Die Aromen sind deutlich intensiver: Schwarzwälder Schinkenspeck, offenes Lagerfeuer, geräucherter Lachs und Maggie?! Dies ändert sich mit etwas Zeit im Glas hin zu Asche, Rauch und Pfeffer.
Mit Wasser kommen noch mehr Gewürze hinzu, der Rauch wird ausgeprägter und kälter.

Gaumen: Im Mund extrem intensiv, so viele unterschiedliche Aromen und Gewürze. Unmöglich zu definieren. Ein sehr konzentriertes Geschmackserlebnis, welches aber dennoch positiv aromatisch ist. Dieser Malt hat nichts mit Laphroaig 10 oder ähnlicher “Elektroplatine” zutun. Kein Jod, keine Klinik. Alles eher würzig & vollmundig.
Mit Wasser wird der Malt runder, verliert seine Kanten und wird süsser.

Abgang: der Abgang ist sehr intensiv und lang. Am Ende bleibt ein trockenes, rauchiges Mundgefühl. Ich habe das Gefühl wenn ich den Mund öffne kommt leichter Rauch heraus.
Mit etwas Wasser ist der Abgang rauchiger, süsser, gefälliger und kürzer.

Fazit:
Wer hier etwas wie einen Laphroaig 10 oder Octomore erwartet, liegt falsch. Man bekommt einen sehr intensiven, aromatischen Malt, der jede Menge Räucheraromen mitbringt, jede Menge Rauch und Lagerfeuer-Feeling. Mir macht er jede Menge Freude – und ich bin normalerweise eher der Non-Peated Trinker.

Fazit vom Tasting:
Insgesamt war ich sehr positiv überrascht von allen Abfüllungen.
Ich muss gestehen, dass ich selten einen “Whisky” (ist er ja eigentlich erst ab 3 Jahren Reifezeit im Fass) getrunken habe, der so jung und schon so lecker und vielversprechend war.
Sicherlich sind die Fassanteile auf den ersten Blick nicht günstig, aber man bekommt einen hochwertigen Whisky, der meiner Meinung nach deutlich besser sein wird als die meisten aktuellen Abfüllungen mit Einjährigen Altersangaben auf dem Markt. Toll.

Vielen Dank an Carl Seleborg für die Bereitstellung der (letzten 3) Fotos und der 6 Samples. Dadurch muss ich es zwar offiziell als Werbung deklarieren, allerdings sind meine Tasting-Notes wie immer offen, ehrlich und unverblümt.